„Boldog 69: 09“ – Am Ende sind wir alle Ungarn!

Zukunft und Vergangenheit gemeinsam
Zukunft und Vergangenheit gemeinsam, Foto: Experidance
Je mehr sich dem Besucher die ungarische Kultur erschließt, eröffnet sich die Tatsache, dass Ungarn ein Land des Tanzes ist. Neben dem Nationalballett im Staatsopernhaus haben sich in der Hauptstadt unzählige größere und kleinere Compagnien gebildet, manche sind darunter, die mit einem festen Stamm an Tänzern arbeiten. Hinzu kommen viele freischaffende Tänzer. Aber neben der starken Tanzszene in der Hauptstadt, gibt es noch die, teilweise international renommierten, Compagnien im Land, hier sein die modernen Tanztheater von Györ, Pécs und Szeged genannt. In der Hauptstadt sind alle Compagnien durch eine Institution präsent: das nationale Tanztheater mit den seinen zwei großen Bühnen, eine auf der Burg, das Burgtheater, und eine im Palast der Künste.

Mit dem Festivaltheater besitzt diese Institution von nationaler Strahlkraft einen Saal, der hervorragend für Tanzaufführungen geeignet ist. In einem intimen Rahmen kann der Tanz von allen Plätzen sehr gut verfolgt werden. Es ist ein Tanzsaal, wie ihn sich manche Compagnien nur wünschen können. Szeged mit seiner „Carmina Burana“, Györ mit seiner „Carmen“ und das Nationalballett mit „Zorba“ haben diesen Raum genutzt und Tanz gezeigt. Doch die Experidance – Sándor Román Company ist die erste Compagnie die in diesem Raum versagt, auf hohem Niveau, doch dafür auf ganzer Linie. Ohne das Programmheft und viel Hintergrundinformation ist der Besucher verloren. Die Geschichte ist ein zu viel, ein zu viel an Handlung, ein zu viel an Bildern, ein zu viel an sinnloser Bewegung. Dafür wird diese Bewegung aber gern wiederholt, bis zu einem weiteren zu viel. Doch leider hat die Produktion ein zu wenig: ein zu wenig an Technik und Tanzausdruck. Es ist der Compagnie anzumerken, dass sie wenig homogen zusammenarbeitet und keine regelmäßigen klassischen Trainingsstunden abhält. Das technische Niveau ist erschreckend niedrig. Es entsteht eher das Gefühl in einem Abschlussabend einer Tanzklasse zu sein, deren Mitglieder tagsüber einer geregelten Arbeit nachgehen, als einem professionellen Aufführungsabend beizuwohnen. Dies liegt auch in den unterschiedlichen Charakteren begründet, natürlich ist jetzt wieder die Antwort zu hören: ein breites Spektrum an Persönlichkeiten abdecken zu wollen. Doch hat der Abend dadurch kein Profil. Einzig ein Tänzer auf der Bühne zeigt ein annehmbares tänzerisches Niveau.

Um die Geschichte verstehen zu können sollte ein Film bekannt sein: „Made in Hungary“, dieser Film, der das ungarische Pendant zu „Rent“ darstellt, bildet einen Teil der Story, der andere Teil spielt im Heute. So werden zwei Liebespaare einander gegenüber gestellt, das der Vergangenheit und das des Jetzt. Doch dies herauszufinden braucht es Zeit, die aber aufgrund der Fülle der Eindrücke nicht vorhanden ist. Dieser Produktion hätte die ordnende Hand eines Dramaturgen gut getan. Sándor Román ist weder ein begnadeter Choreograf, noch ein guter Geschichtenerzähler, so wäre ihm Hilfe zu wünschen gewesen. Seine Talente liegen wahrscheinlich mehr in der Tatsache Unterstützer gewinnen zu können und seiner Compagnie ein eigenes Probenzentrum geben zu können, und dies alles obwohl die Compagnie erst im Jahr 2000 gegründet wurden ist. Dies ist eine anerkennenswerte Leistung, doch sollte dies nicht von technischen Mängeln des Tanzes und der Geschichte ablenken.

Weitere Aufführungen dieses Abends finden am 05. Februar 20111 (19.00 Uhr) und am 27. Februar 2011 (15.00 Uhr und 19.00 Uhr) statt. Karten sind auf www.mupa.hu und unter 00361-5553310 erhältlich.