„La Fille mal gardée“ – Die schlecht behütete Tochter

Mutter Simone beim Holzschuhtanz
Mutter Simone beim Holzschuhtanz, Photo: Èder Vera
Die Inszenierung und die Choreografie Sir Frederic Ashtons bereichert den Budapester Ballettspielplan. Es ist ein Gewinn für das Haus, denn dieses Werk muss jede größere Ballettcompagnie im Repertoire haben. Das Nationalballett Ungarns hat dieses klassische Meisterwerk in sein Repertoire aufgenommen und dem begeisterten Publikum vorgestellt. Die Premiere beim legendären Sadler’s Wells Ballett ist in Erinnerung geblieben, ebenso die fast schon legendär zu nennende DVD- Einspielung des Royal Ballett aus dem Jahr 2005. In Deutschland ist diese Aufführung bei den Ballettcompagnien in Stuttgart und Karlsruhe zu sehen, es ist ein illustrer Kreis führender Compagnien, mit denen sich das Nationalballett vergleichen lassen muss.

Erklärtes Ziel des Ballettdirektor der Staatsoper ist der Anschluss an Qualität und Repertoire der führenden europäischen Ballettcompagnien – Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, die finanzielle Basis dafür steht auf tönernen Füßen und wie die Ausrichtung unter der neuen Opernintendanz ausschaut, ist unbekannt, denn der Ballettdirektor ist dem Opernintendanten unterstellt. In der Krise im Sommer 2010 mit Harangozó Gyula hat dies dem Ballettdirektor Kevehazi Gabor das Verbleiben im Amt gesichert, dochwie es nun weitergeht ist ungewiss. Umso mehr hat dieser Ballettabend dazu beigetragen, die Zukunft des Ballett zu sichern, ihm ist aufgrund der gefälligen Choreografie und der Handlung ein langer Verbleib im Spielplan, verbunden mit einer hohen Zuschauerresonanz, gewiss. Das Bühnenbild und die Kostüme, basierend auf der Originalausstattung Osbert Lancasters, werden zum Erfolg beitrage.

Leider ist die technische Qualität der Tänzer am Premierenabend auf geringen Niveau zu lokalisieren, die Gruppen gänzlich auseinander, unsaubere Übergänge und müde erscheinende Solisten prägen diesen Premierenabend. Es scheint, dass sie Choreografie das Ensemble an seine Leistungsgrenzen führt, ebenso wie der Balanchine – Abend die Tänzer mit einer, hier in Budapest unbekannten, Technik bekannt macht, und Grenzen des Ensembles aufzeigt, hat dieser spezifische Ashton Tanzstil Spuren hinterlassen.

Von den Solisten kann nur der Tänzer der Simone Komarov Alekszandr restlos überzeugen, seiner hohen technisch-tänzerischen Fähigkeiten steht eine große mimische Ausdruckskraft zur Seite. Pap Adrienn als ihre Tochter Lise kämpft sichtlich mit den Ansprüchen ihrer Partie, ihr gelingt es nicht eine Leichtigkeit im Umgang mit der Choreografie zu vermitteln und oftmals wirken die Divertimenti unsauber. Auch ihrem Partner Oláh Zoltán gelingen die Bravourszenen nur Bruchstückhaft. Dies ist bedauernswert, da beide Momente großer Innigkeit erzeugen und transportieren können. Beiden ist im Laufe der Aufführungsserie eine größere Sicherheit und Routine zu wünschen.

Routine ist es, was diesem Abend fehlt, die Compagnie kann nicht vermitteln, dass es jeden Abend möglich ist, solche Choreografien zu tanzen. Doch es sind Ansätze sichtbar, die eine Aufbauarbeit erkennen lassen. Die Budapester Compagnie erobert sich das internationale Repertoire und wird daran weiter arbeiten müssen.

Weitere Aufführungen: 23., 26. und 29 Januar 2011. Karten sind zu Preisen zwischen 500 und 12.000 Forint unter Budapest: 0036 – 1- 3327914 oder www.opera.hu erhältlich.